Die neue Technik hinter DOCSIS 3.1

21. Mai 2019.


DOCSIS 3.1 bringt eine Reihe neuer Technologien mit sich, die den Kern dieses leistungsfähigen CATV-Standards bilden. Wir möchten diese Innovationen und einige der neuen Begriffe nachfolgend genauer darstellen.

DOCSIS 3.1 ANALYSER IM ÜBERBLICK

PROMAX DOCSIS 3.1 Analyser
PROMAX DOCSIS 3.1 analyser
    DOCSIS 3.0 DOCSIS 3.1
Frequenzbänder Upstream Bis zu 85 MHz Bis zu 204 MHz
Downstream Bis zu 1 GHz Bis zu 1218 MHz
(1.8 GHz optional)
Channel bandwidth Upstream 6.4 MHz (channel bonding) Von 6.4 bis 96 MHz
Downstream 6 MHz (channel bonding) Von 24 bis 192 MHz
HF-Träger Up/Downstream SC-QAM OFDM
Träger pro Kanal Upstream 1 1900 (2K) oder 3800 (4K)
Downstream 1 3800 (4K) oder 7600 (8K)
Trägerabstand Upstream n. a. 50 kHz (2K) oder 25 kHz (4K)
Downstream n. a. 50 kHz (4K) oder 25 kHz (8K)
Träger mit Inhalten die nicht für den Nutzer bestimmt sind Upstream n. a. n. a.
Downstream n. a. Exclusion carriers, PLC, CP, SP
Modulationsprofile Upstream QPSK, 8/.../128-QAM 16/.../4096-QAM
(16384-QAM optional)
Downstream 64/256 QAM 16/.../4096-QAM
(16384-QAM optional)
Packet framing Upstream DOCSIS DOCSIS
Downstream MPEG-TS DOCSIS + Codewords
FEC - Reed-Solomon LDPC + BCH
Die wichtigsten technischen Unterschiede zwischen DOCSIS 3.0 und DOCSIS 3.1

Erweitertes Frequenzband bei DOCSIS 3.1

DOCSIS 3.1 erweitert das Vorwärtsband (Upstream) bis 192 MHz und das Rückkanalband (Downstream) bis 1,2 GHz, optional bis zu 1,8 GHz. So wird die Netzwerkkapazität deutlich erhöht.

Erweitertes Frequenzband bei DOCSIS 3.1
Erweitertes Frequenzband bei DOCSIS 3.1

OFDM modulation

Neben der “klassischen” SC-QAM Modulation gibt es in DOCSIS 3.1 Systemen auch neue, besonders breite OFDM Kanäle sowohl im Upstream- wie auch im Downstreambereich. Jeder Kanal besteht hier aus tausenden (2K, 4K oder 8K) schmalbandigen Unterträgern, so schmal und eng nebeneinander dass sie auf den ersten Blick wie ein einziger Träger wirken. Diese Übertragungstechnik wird bereits in anderen Standards wie DVB-T/T2 oder C2 eingesetzt .

  • Anzahl der Unterträger: 1900 (2K Modus für Upstream), 3800 (4K Modus für Upstream oder Downstream), 7600 (8K mode für Downstream).
  • Abstand zwischen Unterträgern in 6 MHz Kanälen: 25 kHz (4K Modus für Upstream, 8K Modus für Downstream) oder 50 kHz (2K Modus für Upstream, 4K Modus für Downstream).
OFDM modulation
OFDM modulation

Ausschlussbänder: Gesicherte Kompatibilität mit DOCSIS Vorgängerversionen

Ausschlussbänder sind Unterträgerbereiche, die innerhalb eines Kanals deaktiviert werden. Dafür gibt es zwei Gründe: zum einen sichert es die Rückwärtskompatibilität mit DOCSIS-Kanälen in vorherigen Versionen, die im gleichen Frequenzbereich übertragen werden können. Andererseits kann man spezifische Bänder vermeiden, da sie stark mit Rauschen oder Störungen belastet sind.

Ausschlussbänder DOCSIS 3.1
Ausschlussbänder DOCSIS 3.1
DOCSIS 3.1 ANALYSER IM ÜBERBLICK

TDMA (Time Division Multiple Access)

Das TDMA-Verfahren wurde bereits in früheren DOCSIS Versionen eingesetzt, um HF-Upstreamkanäle verschiedenen Kabelmodems zuzuordnen. Sie nutzten dabei den Kanal in speziell festgelegten Zeitfenstern (daher der Begriff “Time Division”). DOCSIS 3.1 Upstreams verwenden weiterhin dieses Verfahren, jedoch werden hier zusätzlich eine Reihe von Unterträgern während des Zeitfensters für jedes einzelne Kabelmodem festgelegt.

DOCSIS 3.1 enthält spezielle Unterträger mit Daten, die nicht für den Nutzer bestimmt sind:

  • PLC Träger (Physical Layer Link Channel): für Signalling, Kommunikationssteuerung und Netzwerkmanagement.
  • CP Träger (Continual Pilot): zur Synchronisation.
  • SP Träger (Scattered Pilot): zur Kanalschätzung.
TDMA

Modulationsprofile

Ein Profil beschreibt eine Reihe von Parametern (Modulationsreihenfolge, FEC, Einleitung, Guard Interval, Pilotmuster, usw.), die für die Übertragung zwischen dem Kabelmodem und der Kopfstelle verwendet werden. Im Upstream kommen möglicherweise andere Modulationsprofile zum Einsatz.

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Codewords

Mehrere DOCSIS-Frames (Pakete) werden nacheinander in Codewörter eingebettet, im Prinzip handelt es sich dabei um größere Frames. Die Codewörter werden einem gemeinsamen Profil zugeordnet, so dass bei der Übertragung bestimmter Codewörter das die gleichen Modulationsparameter verwendet werden. Jedes Codewort wird in mehreren physischen Unerträgern übertragen.

Die NCP (Next Codewort Pointer – Markierung für das nächste Codewort) sind spezielle Codewörter, die den Beginn eines neuen Codeworts im Unterträger markieren. Mit diesen Markierungen kann der Empfänger die Daten abrufen und zuordnen.

DOCSIS 3.1 codewords
DOCSIS 3.1 codewords

Neue Modulationsarten

Die Verwendung von QAM-Modulationen höherer Ordnung ermöglicht eine effektivere Nutzung des Spektrums.

Modulationsarten DOCSIS 3.1
Modulationsarten DOCSIS 3.1 4096 QAM

Erweiterte FEC (Vorwärts-Fehlerkorrektur)

Eine Verbesserung in DOCSIS 3.1 sind zwei neue FEC (Forward Error Correction – Vorwärts-Fehlerkorrektur) Algorithmen, womit Fehler in der Übertragung besser erkannt und beseitigt werden können.

  • LDPC (Low Density Parity Check): Leistungsfähiger Fehlerschutz, stoppt automatisch sobald alle Fehler korrigiert sind oder keine Fehler mehr korrigiert werden können.
  • BCH (Bose-Chaudhuri-Hocquenghem): Dieser Algorithmus dient als “zweite Chance” für Fehler, die vom LDPC nicht korrigiert werden konnten.

In DOCSIS 3.1 Kanälen wird überwiegend die Anzahl der korrigierbaren oder nicht korrigierbaren Codewort-Fehler als Qualitätskriterium herangezogen, anstelle der Pre- und Post-BER wie in früheren Standards.

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